Grundsätze

In den letzten 40 Jahren haben sich folgende Grundsätze des Testens herauskristallisiert, die als generelle Leitlinien beim Testen angesehen werden.

Grundsatz 1: Testen zeigt die Anwesenheit von Fehlerzuständen.

Mit Testen wird das Vorhandensein von Fehlerzuständen nachgewiesen. Mit Testen lässt sich nicht beweisen, dass keine Fehlerzustände im Testobjekt vorhanden sind. Ausreichendes Testen verringert die Wahrscheinlichkeit, dass noch unentdeckte Fehlerzustände im Testobjekt vorhanden sind. Selbst wenn keine Fehlerzustände im Test aufgezeigt wurden, ist das kein Nachweis für Fehlerfreiheit.

Grundsatz 2: Vollständiges Testen ist nicht möglich.

Ein vollständiger Test, bei dem alle möglichen Eingabewerte und deren Kombinationen unter Berücksichtigung aller unterschiedlichen Vorbedingungen ausgeführt werden, ist nicht durchführbar, mit Ausnahme von sehr trivialen Testobjekten. Tests sind immer nur Stichproben, und der Testaufwand ist entsprechend Risiko und Priorität festzulegen.

Grundsatz 3: Mit dem Testen frühzeitig beginnen.

Um Fehlerzustände frühzeitig zu finden, sollen Testaktivitäten im System- oder Softwarelebenszyklus so früh wie möglich beginnen und definierte Ziele verfolgen.

Grundsatz 4: Häufung von Fehlern.

Der Testaufwand soll sich proportional zu der erwarteten und später beobachteten Fehlerdichte auf die Module fokussieren. Ein kleiner Teil der Module enthält gewöhnlich die meisten Fehlerzustände, die während der Testphase entdeckt werden oder ist für die meisten Fehlerwirkungen im Betrieb verantwortlich.

Grundsatz 5: Wiederholungen haben keine Wirksamkeit.

Wiederholungen der immer gleichen Testfälle führen nicht zu neuen Erkenntnissen. Damit die Effektivität der Tests nicht abnimmt, sind die Testfälle regelmäßig zu prüfen und neue oder modifizierte Testfälle zu erstellen. Bisher nicht geprüfte Teile der Software oder unberücksichtigte Konstellationen bei der Eingabe werden dann ausgeführt und somit mögliche weitere Fehlerzustände nachgewiesen.

Grundsatz 6: Testen ist abhängig vom Umfeld.

Je nach Einsatzgebiet und Umfeld des zu prüfenden Systems ist das Testen anzupassen. Sicherheitskritische Systeme werden beispielsweise anders getestet als E-Commerce-Systeme.

Grundsatz 7: Trugschluss: „Keine Fehler“ bedeutet ein brauchbares System.

Fehlerzustände zu finden und zu beseitigen, hilft nicht, wenn das gebaute System nicht nutzbar ist und nicht den Vorstellungen und Erwartungen der Nutzer entspricht.

Pin It on Pinterest

Shares