Testdurchführung

Die Einstellung zu Testdurchführung und Reviewphase unterscheidet sich von derjenigen bei der Softwareentwicklung. Mit der richtigen Einstellung sind auch Entwickler fähig, ihren eigenen Code zu testen. Die Verlagerung dieser Verantwortung auf einen Tester hat neben der Verteilung des Aufwands jedoch noch weitere Vorteile: eine unabhängige Sichtweise von geschulten, professionellen Testexperten. Testen kann in jeder Teststufe angewendet werden. Ein gewisser Grad an Unabhängigkeit steigert die Effektivität des Testers bei der Fehlersuche (Betriebsblindheit). Unabhängigkeit ist allerdings auf keinen Fall ein Ersatz für Erfahrung (Vertrautheit) mit der Software, auch Entwickler können effizient viele Fehler in ihrem eigenen Code finden.

Folgende Stufen der Unabhängigkeit (von niedrig nach hoch) können definiert werden:

  • Der Test wird vom Entwickler für den eigenen Code durchgeführt (keine Unabhängigkeit).
  • Anderen Entwickler für den Test durch (z.B. innerhalb des Entwicklungsteams).
  • Der Test wird von ein oder mehreren Personen aus einer anderen organisatorischen Einheit (z.B. unabhängiges Testteam) oder einem Testspezialisten (z.B. Spezialist für Gebrauchstauglichkeit oder Performance) durchgeführt.
  • Der Test wird von ein oder mehreren Personen außerhalb der (entwickelnden) Organisation (z.B. internes Testlabor) oder der Firma durchgeführt (d.h. Outsourcing oder Zertifizierung durch externe Institutionen).

Fehlersuche

Mitarbeiter und Projekte werden durch Zielsetzungen angetrieben. Mitarbeiter neigen dazu, ihre Pläne an die Ziele anzupassen, die ihnen vom Management oder anderen Stakeholdern vorgegeben werden. So versucht ein Tester, Fehlerzustände in der Software zu finden oder zu bestätigen, dass die Software die Ziele erfüllt. Daher ist es sehr wichtig, die Ziele des Testens klar aufzuzeigen.

Testen wird daher oft als destruktive Tätigkeit angesehen, obwohl es sehr konstruktiv für das Management von Produktrisiken ist. Ein guter Tester benötigt für seine Fehlersuche viel Neugier, professionellen Pessimismus, eine kritische Einstellung, ein Auge fürs Detail, ein gutes Kommunikationsverhalten gegenüber den Entwicklern und Erfahrung, auf die er der intuitiven Testfallermittlung (Error Guessing) zurückgreifen kann.

Wenn Fehler, Fehlerzustände oder Fehlerwirkungen positiv kommuniziert werden, können Schwierigkeiten zwischen Testern und Entwicklern, Analysten und Designern vermieden werden.

Das gilt sowohl für Fehlerzustände, die während Reviews gefunden werden, als auch für die, die beim Test gefunden werden.

Tester und Testmanager müssen eine ausgeprägte Kontaktfähigkeit und gute kommunikative Fähigkeiten besitzen, um sachbezogene Informationen über gefundene Fehlerzustände, Fortschritte und Risiken austauschen zu können. Einem Autor eines Dokuments oder einem Entwickler kann die Information über den gefundenen Fehlerzustand helfen, seine Qualifikation zu verbessern. Werden Fehlerzustände während der Testphase gefunden und behoben, so spart das Zeit und Geld zu einem späteren Zeitpunkt (in der Produktion) und verringert das Risiko.

Kommunikationsprobleme

Kommunikationsprobleme können speziell dann auftreten, wenn Tester nur als Übermittler von schlechten Nachrichten angesehen werden. Es gibt aber einige Möglichkeiten, die Beziehung und die Kommunikation zwischen den Testern und ihrem Umfeld zu verbessern:

  • Beginnen Sie mit der Zusammenarbeit anstatt zu streiten – erinnern Sie jeden an das zentrale Ziel: eine bessere Qualität der Software!
  • Kommunizieren Sie gefundene Fehler eines Produkts neutral, sachbezogen und vermeiden Sie Kritik an der verantwortlichen Person. Schreiben Sie Fehler- und Abweichungsberichte beispielsweise objektiv und sachlich.
  • Versuchen Sie, das Verhalten und die Gefühle der anderen Person zu verstehen.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie die andere Person richtig verstanden haben und umgekehrt.

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